Ein Verein für RedenschreiberMit dem VRdS haben die Texter von Reden einen Berufsverband
In Deutschland ist der Beruf des Redenschreibers, anders als in Amerika, noch wenig bekannt. Der VRdS will hier Abhilfe schaffen.
Reden sind aus Politik und Wirtschaft, aber auch aus dem Privatleben nicht wegzudenken. Schlechte Reden langweilen nicht nur die Zuhörer, sondern schaden auch dem Ansehen und dem Erfolg des Redners. Deshalb entstand der Beruf des Redenschreibers, der naturgemäß eher im Verborgenen wirkt. Der VRdS sorgt dafür, die Interessen dieses Berufsstandes zu wahren – und die Redekultur in Deutschland zu fördern. Eine zehnminütige Rede kostet leicht 700 EuroAuf politischen Veranstaltungen, aber auch bei Firmenjubiläen oder auf privaten Familienfeiern werden regelmäßig lange oder kurze Reden gehalten. Die meisten Menschen denken gar nicht darüber nach, wie viele dieser Reden nicht vom Redner selbst verfasst wurden, sondern von einem professionellen Redenschreiber. Die Redner selbst hängen es natürlich nicht an die große Glocke – sie möchten sich mit der Eloquenz schmücken, die eine gute Rede erkennen lässt. Und sie bezahlen gut dafür – da ist Diskretion auf Seiten des tatsächlichen Texters selbstverständlich. Natürlich hat so eine Rede ihren Preis. Schließlich handelt es sich beim Schreiben von Reden um eine hochqualifizierte Tätigkeit. Wer denkt, das könne jeder halbwegs gebildete Mensch, hat vermutlich niemals eine Hochzeits- oder Geburtstagsfeier mit quälend langweiligen Lobreden über sich ergehen lassen. In Wirklichkeit erfordert das Verfassen guter Reden neben Intelligenz, einer umfassenden Allgemeinbildung und natürlich rhetorischem Talent auch sehr viel Übung. Die Erfahrung zeigt außerdem, dass pro Redeminute etwa eine Stunde Arbeit nötig ist. Hierfür sollte der Redner schon siebzig Euro zahlen – für eine zehnminütige Rede also siebenhundert Euro, es kann auch mehr sein. Niedrige Honorare für Reden bergen die Gefahr geringer QualitätNun besteht natürlich die Gefahr, dass einzelne Autoren ihre Leistung für weniger Geld anbieten. Da kaum ein Redner bekannt gibt, wer seine Reden schreibt und was er dafür bezahlt – und sich auch die Redenschreiber aus den schon genannten Diskretionsgründen bedeckt halten –, ist es gerade für Neulinge schwierig, die Marktlage einzuschätzen. Kunden wiederum könnten über eine angemessene Honorarforderung unverständig den Kopf schütteln, da sie ebenfalls nicht wissen, was in diesem Bereich üblich ist. Die Folge sind dann eventuell billige, aber schlechte Reden, die ihren Zweck nicht erfüllen – und obendrein noch den ganzen Dienstleistungsbereich des Redenschreibens in ein schlechtes Licht rücken. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde der VRdS gegründet, der Verein der Redenschreiber deutscher Sprache. Er veröffentlicht unter anderem Honorarempfehlungen. Das oben genannte Beispiel liegt übrigens am unteren Rand dieser Empfehlungen. Dabei basieren die Angaben über den Preis einer guten Rede nicht nur auf Mitgliederbefragungen des Vereins – und spiegeln damit die tatsächliche Marktlage wieder –, sondern auch auf dem Vergleich mit anderen qualifizierten Dienstleistungen, etwa der Unternehmensberatung. Die Mitgliedschaft im Verein der Redenschreiber deutscher Sprache ist günstigPotenzielle Kunden können über den Verein Mitgliederlisten erhalten und gezielt nach geeigneten Verfassern suchen. Darüber hinaus fördert der Verein durch verschiedene Aktionen das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung guter Reden, führt Seminare für Redenschreiber durch und setzt sich für die Vermittlung von rhetorischen Fähigkeiten an Schulen ein, etwa nach dem Vorbild amerikanischer Debattierklassen. Überhaupt kann Deutschland in diesem Bereich viel von den USA lernen, wo das professionelle Redenschreiben längst viel besser etabliert ist als bei uns. Nicht von ungefähr kennen viele Deutsche diesen Beruf noch am Ehesten aus amerikanischen Spielfilmen. Die Mitgliedschaft im VRdS ist mit derzeit sechzig Euro Jahresbeitrag recht günstig und lohnt sich wohl schon aus Gründen der Werbung für jeden Redenschreiber. Und obwohl sich das Schreiben von Büchern oder Zeitschriftenartikeln deutlich vom Verfassen guter Reden unterscheidet, bietet das Letztere doch gerade für viele Schriftsteller eine Möglichkeit, sich ein zweites finanzielles Standbein aufzubauen. So kann es auch dabei helfen, einen selbst erstellten Rahmenplan auf dem Weg zum hauptberuflichen Autor einzuhalten.
Der Artikel Ein Verein für Redenschreiber in Schreiben als Beruf unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung dieses Textes, auch auszugsweise, erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis des Autors. Autor des Artikels Ein Verein für Redenschreiber ist Roy Spitzke.
Ähnliche Artikel
Ähnliche Themen
Schlagworte
Mehr in Schreiben & Publizieren
|